Lindi’s Weblog (shinraziel.wordpress.com)


Der Klemmhof – Köln lässt grüßen

Auch wenn ich seit einiger Zeit im Exil lebe, und nun schließlich in Mannheim, so beobachte ich doch immer wieder, was es in meiner alten Geburtsstadt Neustadt an der Weinstraße Neues gibt. Zum einen erfährt man ja von Telefonaten mit Eltern und Verwandten das Neueste, oder aber auch aus regionalen Nachrichten.

Seit einiger Zeit schon verfolge ich, was mit Neustadts Bausünde Nr.1 vor sich geht. Die Rede ist hier vom Klemmhof, einem großen Gebäudekomplex (oder auch Betonmonster…) inmitten der Innenstadt.

Der Klemmhof war und ist ursprünglich als Passage gedacht gewesen, in welcher auch Wohneinheiten und öffentliche Einrichtungen mit integriert wurden. So sind neben Geschäften im Erdgeschoss und einer Galerie auch die Stadtbibliothek, ein Teil der VHS sowie der Wohnraum von über 100 Menschen dort angesiedelt – inmitten der Altstadt, umringt von den alten Gassen und von Geschäften. Man möchte meinen, das Ganze sei ein lebenswertes Umfeld… Und so dachten auch viele Leute, die sich da drin eine Wohnung als Eigentum kauften.

Doch nun könnte Neustadt eine kleine Schwester von Köln werden.

In Köln war es nämlich das historische Stadtarchiv, welches durch fehlerhafte Baumaßnahmen und der Ignoranz der Verantwortlichen einfach einstürzte wie ein Kartenhaus, weil der Boden darunter einfach in ein tiefes Loch sackte, welches einmal die neue U-Bahn werden sollte.

Neustadt hat keine U-Bahn. Aber Neustadt hat einen verrohrten Speyerbach, und Wasser sucht sich nun mal seine eigenen Wege und lässt sich nur schwer zähmen.

Denn dort, wo heute dieser große Gebäudekomplex steht (bestehend aus zwei Teilen), verlief früher dieses kleine Flüsschen. In den 70er Jahren jedoch beschloss die Stadt Neustadt, allen voran ihr Aushängeschild-Bürgermeister Brix, dass der Bach in Rohre gezwängt werden solle, und inmitten der Altstadt wurde dieses große Projekt dann schließlich aus dem Boden gestampft. Und so stand der Klemmhof all die Jahre seit seiner Fertigstellung da…

Doch dann kam das böse Erwachen

Die Tiefgarage stand plötzlich unter Wasser und wurde gesperrt. Die Aussage: Es sei ein Sanierungsfall. Man fing an, dort unten, tief unter den Geschäften und Wohnungen, zu sanieren, doch es rumorte noch ganz anders. Denn unter der Tiefgarage befinden sich katakombenartige Keller, in welchen zum einen die Heizungsanlagen untergebracht sind (ich weiß das von meinem Vater, seine Firma hat damals die Heizungen dort gebaut), jedoch sind dort unten auch klammheimlich all die Jahre gewaltige Pumpen gelaufen, welche 65.000 Liter Grundwasser in der Stunde abpumpen, welche das Fundament unterspülen! Diese Zahl muss man sich mal vor Augen halten: 65.000 Liter Wasser. Das ist so viel, wie ein Mensch in seinem ganzen Leben zu sich nimmt. Ohne diese Pumpen würde wohl dort nichts mehr stehen.

Doch nun ist wohl der Worst-Case eingetroffen: Das Fundament hängt zu Teilen in der Luft, und laut Aussage eines Ingenieurs “steht das Gebäude wohl nur noch aus Gewohnheit” (siehe dieses Video). Sanierungsarbeiten mussten zwangsläufig eingestellt werden, weil sich während dieser das ganze Gebäude im millimeterbereich absenkte – bei einem solch großen Gebäude kann das schon sehr viel sein…

Der Klemmhof nach dem Sanierungsabschluss

Doch der Knüller an dem Ganzen ist wohl, dass all die Menschen, die dort wohnen und arbeiten nun vor die Tür gesetzt werden mussten, denn das ganze Gebäude wurde evakuiert. Nur das Nötigste durfte mitgenommen werden, in die Wohnungen dürfen die Eigentümer – wenn überhaupt – nur noch mit Begleitschutz durch die Feuerwehr. Ob sie wohl zurück dürfen in ihr Zuhause weiß man nicht, ihre Sachen jedoch, all ihre Möbel, all ihr Hab und gut, all ihre Erinnerungsstücke sind nun in einem Bauwerk, das wohl kurz vor dem Zusammensturz steht, wenn man die Statiker hört. Geschäftsinhaber haben keinen Umsatz mehr, die finanzielle Grundlage wurden ihnen einfach entzogen ohne Ausgleich.

Und zur Kasse gebeten werden die Menschen dort auch noch, denn sie sollen für die Fehler der Vergangenheit nun büßen und die Sanierungskosten tragen – falls der ganze Bau abgerissen werden müsste (oder von selbst sich erledigen sollte), wären die Abräumarbeiten ca. 2.000.000 €  teuer.

Meiner Meinung nach ist das ein absolutes Unding der Stadt Neustadt an der Weinstraße!

Ist ja ganz nett, das die Stadt Notunterkünfte vermittelt (nicht stellt, die Kosten müssen die “Flüchtlinge” tragen), ein Notfallzentrum zum Wäschewaschen und Postabhohlen eingerichtet hat, aber was nützt den Leuten das? Was nützt jenen, welche nun ihr Zuhause verloren und vor dem finanziellen Ruin stehen gutes Zureden?

Die Stadt Neustadt jedoch weißt jegliche Verantwortung ab – eine Verantwortung, welche die Stadt eigentlich als ursprünglicher Bauherr zu tragen hätte, denn die Baufirma veröffentlichte, dass es von vornherein so von der Stadt Neustadt gewollt war, dass Grundwasser abgepumpt wird, weil es anscheinend billiger als eine Drainage weiße Wanne war! Doch nun kommt von Seiten Löfflers (hoffentlich sägen Sie den jetzt endlich mal ab) nichts als heiße Luft.

Allem Anschein nach hatte die Stadt Neustadt seit damals auch bei den Verkäufen der Wohnungen die neuen Eigentümer belogen, denn wie es nun scheint sind etliche der Wohnungsbesitzer damals nicht darauf hingewiesen worden, dass ihr neues Zuhause mehr oder minder auf Wasser steht. Deshalb sehe ich es durchaus als gerechtfertigt, dass nun die Wohneigentümer sich zusammenraufen und Klage gegen die WBG erheben wollen (übrigens ist Herr Röthlingshöfer, welchen man immer mal wieder in Interviews zum Thema „Sanierungsfall Klemmhof“ sieht, nicht nur Bürgermeister von Neustadt, sondern auch Geschäftsführer der WBG), denn mal ganz ehrlich: Wer würde eine Wohnung für viel Geld erwerben, welche einsturzgefährdet ist und in welcher man Angst haben muss, dass jeden Moment der Fußboden wegbrechen könnte, wenn der schlimmste aller Fälle eintreffen würde?

Und so schwebt immer wieder der Schatten Kölns durch die kleine Stadt an der Haardt, denn auch dort hat sich das Archivgebäude zuerst gesetzt, ehe es schließlich einfach zusammen krachte…

Und die Sanierung soll noch bis Anfang 2010 mindestens andauern… Na dann frohe Weihnachten, denn einen guten Rutsch wünsche ich dem Gebäude selbst mal lieber nicht!



Ratatatatat, und wieder was geschrieben…
13.09.2009, um 01:59 Uhr, 01:59
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Die neue Gamer XYZ-Tastatur mit gefühlten 200 zusätzlichen Multifunktionstasten… Die neue ergonomisch geformte, naturale Tastatur… Multimedia-Tastaturen mit Multimedia-Steuerung… Die zusammenrollbare Tastatur aus Gummi… Oder die standardmäßigen Teile aus dem Technik-Discounter…Pffff!

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie kommen wohl nie gegen mein Schätzchen an, auf welchem ich gerade diesen Text hier verfasse.

ibm-model-m

Ich spreche hier von einem Schatz, den ich wohl nie hergeben würde, nämlich meine originale IBM Tastatur Model M aus dem Jahre 1995 (ja, so alt ist das Dingens schon!). Dagegen empfinde ich alle anderen Tastaturen als reinsten Schrott, und ich denke mal, jeder, der schonmal auf so einem Hackbrett tippen durfte weiß, warum ich das meine.

Wenn Gott einen Computer hat, dann benutzt er auch eine IBM Model M…

Mit einem leichten Schwung wölbt sich der Tastenblock im Gehäuse, welcher nach oben in eine kleine Erhöhung ausläuft, um Stifte darauf abzulegen ohne dass sie ins Tastencarret rutschen (auf meiner liegt immer ein Kugelschreiber griffbereit). Die Tasten selbst sind beliebig auswechselbar, die Buchstaben eingebrannt in abnehmbare Tastaturkappen (so kann man jedes beliebige Layout auf die Tastatur machen) und verblassen nicht – Ein Keyboard für die Ewigkeit also.
Das Gehäuse ist so gut wie unverwüstlich und sogar spülmaschinentauglich. Der ganze Apparillo wiegt gut und gerne 2 kg und kann auch zum Öffnen von Bierflaschen verwendet werden. Und würde ich jemandem das Ding über den Kopf ziehen, hätte der wohl nichts mehr zu lachen. Und natürlich hat sie das (leicht vergilbte) Typenschild auf der Unterseite, wo der Qualitätstester handsignierend sich verewigt hat. Auch ein 2 Meter langes, gedrehtes Kabel ist nicht zu verachten, wenn man das Teil mal auf den Schoß nehmen möchte oder rumschieben muss.

Doch der Knüller ist das Tippverhalten. Durch diesen Klickfedermechanismus im Inneren hat die Tastatur einen perfekten Druckpunkt – Es gibt beim Niederdrücken zuerst einen Widerstand, bis die Feder einrastet und den Buchstaben auf den Bildschirm bannt, alles mechanisch im Inneren und somit nicht so verschleißbehaftet wie aktuelles Plastikzeug. Drückt man also eine Taste, so ertönt jedesmal der charakteristische Klick dabei, wenn sich der Kontakt schließt. Herrlich :-)
Da ist auf die fehlende WIndows-Taste und das Eurozeichen geschissen…

Ich liebe das Ding. Gerade ich als Vieltipper (durch die ganze Programmiererei und die Schreiberei nicht auszuschließen) ist diese Tastatur einfach ideal. Wenn man bedenkt, was ich im Leben schon an Tastaturen kleingekriegt habe… Doch diese alte IBM-Tastatur ist wohl unzerstörbar (wenn man bedenkt, dass die schon 14 Jahre auf dem Buckel hat und immer noch tippt wie eine Eins, wogegen andere Tastaturen zwei oder auch mal höchstens fünf Jahre halten).

Gut, in Büros kann das Tippen schonmal zur nervlichen Zerreisprobe werden, besonders wenn man bedenkt, dass schnelles Tippen sich wirklich wie ein Maschinengewehr anhören kann.

Doch leider wird diese Tastatur im Original nicht mehr hergestellt. IBM hat die Rechte ursprünglich an Lexmark verkauft, und die haben sie dann ebenfalls weiterverhökert an UniComp. Und den neuen Modellen traue ich nicht, da bin ich wohl zu altbacken für. Deshalb steht hier das Original, und hier wird es auch immer stehen (besonders in der Hinsicht, dass die Dinger auch mal 50 € bis 100 € auf eBay bringen können, wenn man sie verkauft). Ein stolzer Preis, wenn man mal darüber nachdenkt – für eine Tastatur, wo ich doch schon eine für 5 € haben könnte, wäre das nicht manchesmal jedoch eine Frechheit, was man so bekommt an neuartigen Keyboards.

Und weil Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist, habe ich auch gleich noch einen voll funktionsfähigen Ersatz gelagert



Didel-Dadel-Dumm, ein Gespenst geht um

Gestern Abend habe ich mir mal wieder Anne Will angeschaut, und wie es dort immer mal wieder vorkommt, und gerade jetzt vor den Wahlen am 27. September, ist das Thema „Mindestlohn“ auch mal wieder angeschnitten worden. Zu Gast waren Bodo Rammelo von den Linken, Renate Künast von den Grünen, ein Wirtschaftsberater, Otto Fricke von der FDP sowie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Porsche.

Sie kann keifen wie sie will: Sie hat Hartz IV erfunden und damit die Büchse der Pandora geöffnet.

sagte Rammelo zu Frau Künast an diesem Abend. Gemeint hat er damit die Einführung der berühmtberüchtigten Agenda 2010 unter der rot-grünen Regierung in der Ära Schröder.

Natürlich gab es sogleich wieder ein Herumgehacke und eine Abwehrstellung von ein paar Anwesenden gegen die Idee des Mindestlohnes. Doch warum eigentlich, so frage ich mich?

Als Beispiel wurde das Gehalt einer Frisöse genannt, welche 3,90 € die Stunde verdienen würde und somit, um überhaupt über die Runden zu komnmen, auf’s Amt rennen muss, um ergänzende Leistungen zu ihrem Gehalt zu beantragen.

Diese sprichwörtliche Büchse hat für mich persönlich auch den Namen „Agenda 2010„, ein Machwerk der Vorgängers von unserer heutigen Bundes-Angie, ein Regelwerk der fürchterlichsten Reformdikatur und ein massiver Schlag in das Fundament unseres Sozialstaates wie wir ihn bis 2005 kannten.  Die Agenda bietet neben massiven Eingriffen in das Gesundheitswesen auch die Umstrukturierung des sozialen Systems der Bundesrepublik Deutschland, wie es ursprünglich von Bismark erdacht und von den Gründervätern nach dem zweiten Weltkrieg durchgesetzt wurde…

Berühmte Schlagworte aus der Agenda 2010 sind wohl „Ich-AG„, „Bundesagentur„, „Leih- und Zeitarbeit“ sowie das allseits bekannte „Hartz IV„.

Jetzt ist die Frage, wieso Mindestlohn so abgelehnt wird in der Politik, denn schließlich ist es doch Sinn der Sache, dass man durch seiner Hände Arbeit Geld verdient, um sein Leben zu bestreiten. Eine einfache Regel, die schon seit jeher so funktioniert hat. Nun ist aber die beispielsweise genannte Frisöse aber ihre Zeit mit Arbeiten beschäftigt und nimmt dadurch eine sogenannte Wertschöpfung vor. Es handelt sich hierbei um eine Dienstleistung, die dazu beiträgt, das äasthetische Erscheinungsbild eines Kunden aufzuwerten, mal mehr, mal weniger (kommt ja bekanntlichermaßen auf den Kunden an). Nun ist es aber so, dass diese Frisöse keinen Gegenwert zu Ihrer Wertschöpfung bekommt, sondern nur eine „Abspeisung“ für die Arbeit, welche sie beim Kunden geleistet hat. Folglich bleibt ihre Arbeit deutlich unter Wert entlohnt. Was macht also die Frisöse? Sie rennt zur ARGE ihres Vertrauens und beantragt „Ergänzende Leistungen zum Lebensunterhalt“, also ALG II. Das ganze berechnet sich dann so (grob vereinfacht):

  monatliches Gehalt
- 356,00 €
- KdU
- Freibeträge
-----------------------
= Differenz

Wenn also die Frisöse beispielsweise 790 € im Monat verdienen würde, würde sie von der ARGE eine Aufstockung bekommen, bis sie 356 € zum Leben übrig hat, also wenn Kosten der Unterkunft und diverse Freibeträge abgezogen wurde. Somit hat also die Frisöse eine Arbeitsstelle, lebt aber vom gleichen Einkommen wie jemand, der Arbeitslos ist. Kurz und knackig: eigentlich kann sie es auch sein lassen und ihren Job hinschmeißen, denn wozu arbeiten gehen, wenn man doch Sozialhilfe beantragen muss zum leben? Da kann die Frisöse auch gleich zuhause bleiben!

Doch damit ist es noch lange nicht genug. Wenn nun ein Arbeitnehmer beispielsweise 20 Jahre seine Lebens hart geackert hat und in die Arbeitslosenversicherung einbezahlte, es zu etwas gebracht hat und sich auch noch für seinen Lebensabend ein wenig Geld zusammensparen konnte, und er wird nun unverschuldet durch Arbeitslosigkeit betroffen, dann bekommt er ein Jahr lang seine Leistungen, welche er bei der Arbeitslosenversicherung erbracht hat ausgezahlt (dafür ist es ja gedacht, und natürlich auch nur, wenn er nicht sanktioniert wird wegen irgendwelchen Kleinigkeiten), danach aber ist zappenduster, denn dann „fällt er in’s Arbeitslosengeld II“.

ALG II, oder auch Hartz IV, wie es immer wieder gerne genannt wird, ist nichts anderes als die Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe auf eine Existenzsicherung auf Niveau vom  Sozialhilfesatz (der sogenannte Regelsatz). Dem Arbeiter, der 20 Jahre gebuckelt und brav einbezahlt hat, wird dann nicht nur die Lebensgrundlage entzogen (wie man von 356 € im Monat leben soll ist mir bis heute ein Rätsel), nein ihm wird auch noch das sauerverdiente Sparvermögen für sein Alter und im schlimmsten Fall sogar sein Haus oder seine Wohnung weggenommen (weil es zu groß, zu teuer oder sonstwas ist).

Und genau da setzt diese ganze Agenda 2010 an:
Die Angst der Leute, dass sie Ihren Job verlieren geht wie ein Schreckgespennst in den Betrieben hierzulande um. Lieber kommt man mit 40°C Fieber zur Arbeit, oder schuftet für einen hungerlohn, weil ja bekanntlichermaßen somit auch Tarifverträge ausgehölt werden können, indem beispielsweise einfach Arbeitnehmer wegrationalisiert und durch billige Leiharbeiter setzt werden. Das ganze nimmt eine Volksverarsche in immensen Ausmaßen an.

Dem Arbeiter wird also ständig (auch durch Medien) vorgehalten, was ihm blüht, sollte er auf die Idee kommen, sich gegen irgendetwas zu wehren, und für all die anderen, welche nicht mit einem Arbeitsplatz gesegnet sind ist dies die perfekte Masche, um sie als Billigarbeiter oder moderne Sklaven (nennt man wohl im Volksmund Eurojobber) gewinnbringend unterzubekommen, und das auch noch in mehrfacher Hinsicht: Der Betrieb, der den Eurojobber einstellt bekommt vom Amt auch noch Prämie dafür, die Arbeitsagentur ist ihn aus der Statistik los, und der Eurojobber selbst? Er darf sich rühmen, zum Humankapital geworden zu sein… Ein echter Karrieresprung!

Und dieses System scheint ja ganz gut zu funktionieren:
Den Arbeitsnehmern wird mir ihren eigenen Ängsten gedroht, die Arbeitslosen werden als Sklaven verschachert, die Arbeitgeber können sich teure, sozialversicherungspflichtige Stellen sparen und stattdessen Leiharbeiter oder Eurojobber einstellen. Und die Verleiherfirmen sind darüber natürlich auch ganz glücklich, denn sie brauchen nur ein paar mickrige Euro pro Stunde geleisteter Arbeit an Gehalt zu zahlen, aber kassieren für einen entliehenen Arbeiter gut und gerne das drei- oder vierfache, was natürlich eine gewinnbringende Angelegenheit für so einen Zeitarbeitsfirmen-Unternehmer darstellt.

Nicht zu vergessen gibt es zu alledem natürlich noch die berühmte Ämterschickane, die Sippenhaft durch Bedarfsgemeinschaftswesen, Einschränkung des sozialen Lebens, des Wohnraumes, der Bildung der Kinder, der gesunden Ernährungsweise und und und… ganz gratis dazu!

Doch was hat das mit Mindestlohn zu tun?

Nun, ganz einfach: All das, was nun beschrieben wurde, also all die Einschränkungen und all jenes, was Hartz IV-Betroffenen widerfährt, bekommen auch die Aufstocker zu spüren, und das, obwohl sie tagtäglich ihrer Arbeit nachgehen. Und deshalb wäre ein Mindestlohn durchaus angebracht, um auch eine Leistung gebührend zu honorieren und den Gedanken des „Humankapitals“, also der Betrachtung von hart arbeitenden Menschen als Störfaktor in der Gewinnbilanz, Schicht für Schicht abzutragen.

Deutschland, deine Sterne leuchten…



Wenn der Verstand aussetzt…

Dieser Artikel aus dem Mannheimer Morgen ist mal wieder einer der schillerndsten Beweise dafür warum meine Wenigkeit eigentlich Fußball absolut nicht mag, ja eigentlich sogar teilweise hasst. Als ich das heute Morgen gelesen und die Fotos dazu gesehen habe, ging mir mal wieder sprichwörtlich das „Messer im Sack“ auf wie man hier in einem geflügelten Wort manchmal sich äußert.

Letzten Mittwoch gab es anscheinend mal wieder ein Stelldichein zwischen dem SV Waldhof aus Mannheim und einem Teil des 1. FC Kaiserslautern (die zweite Mannschaft, um genau zu sein), eine Konstellation, welche anscheinend schon in der Vergangenheit immer mal wieder eine explosive Mischung darstellte – wenn die Pfälzer und die Badenser aufeinandertreffen…

Das Ergebnis dieses Spektakels:
Viele verletzte Menschen und 50.000 EUR
Schaden am Carl-Benz-Stadion!

Allem Anschein nach hat das ganze bereits bei der Anreise begonnen, sich das ganze Spiel über hingezogen und eskalierte schließlich am Ende (siehe diesen Eintrag aus Flensburg-Online). Immer wieder scheint es Zwischenfälle in beiden Lagern gegeben zu haben, seien es mal Feuer und Raketen, oder einfach Gerangel mit der Polizei (Sendungsbeitrag des SWR-BW).

Interessanterweise wird nun die Schuld an der Misere dem DFB in die Schuhe geschoben (siehe hier), weil dieser es versäumte, das Spiel so zu legen, dass gleichzeitig auch die Hauptmanschaft des FCK spielen würde. Somit nahm man sich zur Ausrede, dass der DFB wusste, dass somit besonders viele Fans der Pfälzer anrücken würden und es eigentlich vorhersehbar sein sollte, was dann passierte. Auch die Stadt Mannheim will nun einen Ausschuss zu dem Ganzen haben, und überhaupt scheint sich mal wieder jeder die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen, nur nicht seine eigene eingestehen – Der Schwarze Peter wird wieder solange herumgereicht, bis er zum grauen Wirbelkreis wird…

Nach den Kaiserslauterer Zeiten bin ich persönlich nun nicht gerade begeistert, was Fußball betrifft. Ich möchte an nicht alle Fußballfans über einen Kamm scheren, ganz gewiss nicht… Aber was da teilweise abgeht, das hat nichts mehr mit Fußball zu tun, und schon gar nicht mit menschlichem Verhalten – sowas würde ich in den Tierbereich stecken, wenn beispielsweise zwei Ochsen aufeinander losgehen.

Was man da schon alles erlebt hat. Angefangen von gröhlenden und pöbelnden Fußball“fans“, welche bereits lange vor dem Spiel schon stockbesoffen in die S-Bahn fallen, nur um sich dann beispielsweise in Kaiserslautern den Berg hoch zu quälen. Da wird geschrien, dumm angemacht, getreten… Was soll man eigentlich davon halten, wenn da ein Dutzend KErle steht und in die Bahngleise pisst? Was soll man davon halten, wenn der ganze Bahnhof stinkt wie eine Gruft und man noch nicht einmal mehr den Fußboden unter dem ganzen Müll sehen kann. Denn so war es in Kaiserslautern gewesen!

Und nun scheinen auch hier in Mannheim die Chaoten und Idioten wieder am Werk gewesen zu sein. 50.000 EUR Sachschaden! Das ist eine ganze Menge! Und dann wird sich wieder beschwert, wenn die blöden Tikets oder das Bahnfahren teurer werden – von irgendwas müssen die Schäden ja wieder repariert werden. Und nicht zu vergessen die Belastungen der Kommunen. Die Städte Kaiserslautern und Mannheim geben jährlich Unsummen für den Sicherheitsaufwand aus, und beide Kommunen beklagen sich über Haushaltsdefizite.

Und sind wir mal ganz ehrlich: hat dieser ganze Mist eigentlich noch etwas mit Fußball zu tun? Hat das etwas mit Mannschaftsgeist, Fairness, Fan-Sein zu tun? Wohl kaum! Da setzt bei vielen oftmals einfach das Hirn aus. Solche Idioten gehen dann nicht als Zuschauer auf so ein Spiel, sondern einfach nur aus blinder Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut.

Arme Irren kann ich da nur sagen!



Wenn auch nur ein Kind…
06.08.2009, um 18:50 Uhr, 18:50
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Dieser Artikel auf der Süddeutschen Zeitung und auch der hier auf heise.de beschreiben meines Erachtens in wunderbarer Art und Weise die stupide Vorgehensweise unserer Schildbürgerpolitiker auf Bundesebene mal wieder aufs Neue. Und was wird wohl der Grund des Anstoßes sein? Die Websperren zum Blocken von Kinderpornographie.

Irgendwie ist die Situation derzeit so ähnlich wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier„, denn die Inkompetenz in der Gesetzgebung unserer Volksvertreter ändert sich nie, sondern wird tagaus, tagein immer wieder auf’s neueste zur Schau gestellt. Allen voran unserer gute Ursl-Trudi von den Laien aus dem Familienministerium, Deutschlands Antwort Nummer 1 auf den Geburtenrückgang.

„Komplexen Herausforderungen mit simplen Lösungen zu begegnen, ist in der Politik ein gängiges Verfahren“

Das hat die Vergangenheit allzuoft bewiesen, dass auf diese Art und Weise verfahren wird. Allerdings sind die Korekturen und Reformen dieser simplen Lösungen meistens dann noch komplexer als das Problem selbst.

Zudem gibt hierbei die SPD keinerlei gutes Bild ab. Zuerst stimmen die geschlossen für das Gesetz, und nun wollen sie im Nachhinein den Schwanz einziehen?

Alleine  schon solche Aussagen, dass bei einem Veto der SPD gleich kinderpornographische Verherrlichung nachgesagt würden ist totaler Nonsense und wirkt nicht mehr und nicht weniger als eine faule Ausrede. Zudem konnte man ist es schon als Kunst zu betrachten, wenn Expertenmeinungenund 130.000Petitionsunterzeichner einfach ignoriert werden.

Und jetzt plötzlich wird auch über die Ausdehnung der Websperren gemunkelt! Komisch, denn es hieß doch eigentlich, dass dadurch nur die lieben Kleinen vor sexuellem Missbrauch geschützt werden sollen. Nun aber sollen plötzlich noch andere Seiten dazu? Und was kommt dann als nächstes? Wenn Spiegel.de nicht konform der CDU schreibt kommen die auf die Sperrlisten? Oder wenn die FAZ meinetwegen nicht nach der Pfeise von irgendwelchen großindustriellen Lobyisten tanzt werden sie wegzensiert? Na willkommen im Mittelalter. Ich sollte schonmal lieber meine geliebten Bücher verstecken, bevor sie zur ersten offiziellen Bücherverbrennung der Nachkriegszeit in Deutschland konfisziert werden. Und dieses Blog wird wohl auch bald verschwinden, weil ich hier etwas gegen Zensursula und Konsorten schreibe…

Aber das Beste ist immer noch dieser Thomas Jurk aus Sachsen, mit folgender Aussage, die wohl dem Fass den Boden ausschlägt:

„Wenn wir gegen das Grundgesetz verstoßen, weil wir Pädophilen unmöglich machen kinderpornografische Bilder aus dem Internet herunterzuladen, dann nehme ich das in Kauf“

Ja Hallo? Er nimmt den Bruch der Verfassung, das  übetreten von Gesetzen und vor allen Dingen das Aushebeln von Grundrechten in Kauf? Der Mann gehört für mich sofort und für immer aus der Politik entlassen! So einer sollte nicht Wirtschaftsminister eines Bundeslandes sein, solcher gehört normalerweise in den „Keller“ des Verfassungsschutzes! … Erst einen Eid auf das Grundgesetz leisten und kurz danach auf selbiges spucken? Unsere Gründerväter Adenauer und Heuss drehen sich im Grabe um!

Nächsten Monat sind Wahlen, da bin ich mal gespannt, was da passiert… Ich hoffe, es bewegt sich endlich mal was in diesem Land!